Die folgende historisch belegte Begebenheit hebt eine Person aus der grauen Menge der Vorfahren heraus, macht sie lebendig und kostbar.

Meine UrUrUr – Großmutter Louise Philippine Nast, geboren am 16.05.1768 in Maulbronn wuchs im Kloster Maulbronn auf. Ihr Vater war Klosterverweser d.h. Leiter des Klosters, in dem Friedrich Hölderlin (geb. 20.03.1770) als Schüler lebte. Louise und Hölderlin verband eine zarte Jugendliebe. Für ihn war sie seine geliebte „Stela“. Ihr Briefwechsel ist in der Literatur nachzulesen.

Hier ein kleiner Auszug aus den Briefen (in der damaligen Rechtschreibung!):

Ende 1788, Hölderlin an Louise:

„Das war ein Brief von Dir, liebe Stela! Hätst Du mich sehen können, wie ich Tränen der innigsten Freude weinte auf dieses neue Zeichen Deiner so unaussprechlich süsen beglükenden Liebe, wie ich in dem Augenblik so innig fühlte, was ich an Dir habe, wie meine Tage wieder so heiter, so ruhig hinfliessen. O Mädchen! Auch in der Trennung ist Deine Liebe Seeligkeit, auch dieses Sehnen ist Wonne Deinem Jüngling  .....“

19. Jan. 1789, Louise an Friedrich (Friz):

„O der süssen Worte Deines l. Briefs Ach nur noch elf Wochen und dann dann Friz all die Seelichkeit in Deinen Armen, o könntest Dus fühlen wie mein Herz bei diesem Gedanken stärker schlägt, bald wieder in den Armen meines Friz meines - - o der Wonne, die sich nicht beschreiben läßt da keine Worte sind, sie zu sagen, o Gott lieber Vater wie machst Du uns so glüklich, was für Tage müssen es seyn lieber teurer Friz wo wir ganß füreinander leben, wann uns kein Schiksal keine Zeit auch der Tod selbst uns nicht trennen kann .....“

Als dieser Brief geschrieben wurde, lebte Hölderlin bereits als Student der Theologie im Tübinger Stift. Hier konnte er ihren hoffenden, zagenden und so ehrlich quellenden Briefen entgegnen, dass sein „unüberwindlicher Trübsinn ihn von ihr zöge“. Es war keine Untreue, aber er litt daran, bis Louise einige Jahre später ihren Jugendtraum in einer praktischeren Verlobung auflöste. Sie heiratete meinen UrUrUr – Großvater Christoph Andreas Ludwig, über den sie sinngemäß sagte: Er ist gewiß ein ehrenwerter Mann, aber verglichen mit Hölderlin doch recht langweilig.

Als Hölderlin Jahre später – Louise war längst eine stattliche Matrone – im Turm in Tübingen in geistiger Umnachtung lebte, hat sie sich immer wieder um ihn gekümmert.