Eine Episode:

Sie war die Tochter eines Hotel- und Bierbrauereibesitzers „zur Krone“ in Kempten, die den gleichen guten Ruf hatte wie „Drei Mohren“ in Augsburg.

In der Baumwollfabrik im benachbarten Kottern war mein Großpapa Direktor.

Wahrscheinlich verkehrte er gesellschaftlich in der Krone in Kempten und lernte dabei seine zukünftige Frau kennen.

Sie war groß, schlank, sicher auch hübsch und dazu ein Goldfischlein.

Und nun verliebte sich dieser kalvinistische Schweizer in die gut katholische Allgäuerin und sie wurden ein Paar.

Das konnte ja nicht gut ausgehen. Einer mußte leiden  und das war in diesem Fall die Frau.

Der Ehestand begann in Kottern, wo auch Mutter (Tochter Berta) und Onkel Gustav geboren wurden.

Und nun kommt das dicke Ende!

Wie Großpapa – trotz katholischer Trauung – es fertig brachte, die Kinder „evangelisch“ taufen zu lassen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Großmama lag im Wochenbett und wurde überrumpelt. Passiv wie sie war, verstand sie sich nicht zu wehren und so wurden auch die in Haunstetten geborenen Kinder bei St. Ulrich evangelisch getauft.

Was das für sie bedeutete, lässt sich gar nicht ermessen.

Konfirmationen, Hochzeiten - alles evangelisch! Dazu dann noch die evangelisch, lutherischen  Enkelkinder aus Neuendettelsau. Sie mußte viel schlucken.

Als Großpapa mit 53 Jahren an einem Herzinfarkt starb, zog sie mit ihrer jüngsten Tochter T. Pauline (Reh) nach Augsburg in eine Wohnung dicht beim Dom.

Da T. Pauline noch nicht konfirmiert war, gelang es ihr mit Hilfe der Domgeistlichkeit, d i e s e Tochter in den wahren Glauben zurückzuführen.

So kam es, dass unsere Mutter (Berta Tausch) eine katholische Schwester hatte.

Großmama war dann täglich im Dom und hat unter viel Tränen Buße getan.

Sie starb an meinem Konfirmationstag 71 – jährig.

 

 Verfasser: die jüngste Enkelin von 10, Maria Tausch, verheiratete Nicolai.

 

Geschwister: Wilhelm, Hedwig, Berta, Hubert, Thilde, Emma, Paula, Minni, Maria, Otto