(Auszug aus einer Chronik von Rosi’s Oma Minni Ludwig

 zum 50. Geburtstag 1967 von Willi Gehr, zusammengefasst von Günter Schrenk)

 Das Jahr 1897:

„Unser Vater Wilhelm Tausch, geb. 21.5.1849, Direktor der Haunstetter Spinnerei und Weberei ist am 14.4.1897 gestorben. Unsere Mutter, geb. 29.12.1852, blieb als Witwe mit 10 Kindern im Alter von 4 – 21 Jahren zurück (siehe Bild).

Da die Haunstetter Wohnung für den Nachfolger geräumt werden mußte, war es nötig, eine Wohnung in Augsburg zu suchen, was natürlich mit 10 Kindern eine ziemlich aussichtslose Sache war. Durch die Hilfe des Vaters von Tante Anna Tausch fand sich das Haus in der Stephanienstraße, das durch Kauf  dann in den Besitz von Mutter überging und somit unser Heimathaus geworden ist. Anfang August zogen wir, vollzählige Familie , in das Haus ein, das ganz zu unserer Verfügung stand bis auf eine kleine Wohnung von zwei Zimmern mit Küche im 2. Stock, die ein älteres Ehepaar bewohnte.

Das Haus (siehe Bild) war von einem Baumeister Schneller für sich als Privathaus, einige Jahre vorher, gebaut worden. Unser Garten grenzte im Osten und Norden an das große Frölich’sche Gartengut an, das einer Gräfin Du Ponteil, geb. Frölich gehörte. Es war zu dieser Zeit noch unbebaut, die ganze Frölichstr. entlang bis zum Oswaldgarten. Stephanienstr. 16 u. 18 war noch eine unbebaute Wiese. Die übrigen Gartengrenzen sind heute noch teilweise die alten, teilweise haben sie nur wenig gewechselt. Es war ein großes Glück für uns Alle, daß wir das geräumige Haus und den schönen Garten mit dem „Bergele“ ganz für uns allein hatten, so mitten im Grünen u. doch so nahe der Stadt. Wir hatten es hier viel schöner wie in Haunstetten. Wir hatten Nachbarskinder zum spielen u. Schulfreundinnen.

Maria und ich gingen in die Stadtpflegerangerschule, jetzige Annaschule, in der nachher auch meine Kinder u. auch meine Enkelkinder ihre vier ersten Schuljahre zubrachten. Otto ging noch in die Kinderschule. Von den übrigen Kindern war Emma, Thilde und Pauline in Neuendettelsau, Hubert in Nördlingen in der Realschule und Willy in England“.

 1898 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914:

Nun gibt es viel Bewegung in dem Haus; Kinder ziehen aus, andere Kinder kommen zurück, Verlobungen gibt es am laufenden Band mit anschließender Hochzeitsfeier (nach ca. einem Vierteljahr – wie es sich geziemt!) – allein 3 Hochzeiten im Haus in einem Jahr! Abschiedsfeste, zum Teil für immer (Good bye Bayern – Grüß Gott Amerika!), Todesfälle und 16 Enkelkinder.

 1916, am 12. November stirbt die Mutter, der Mittelpunkt der Familie; damit ist der Abschied vom Haus eingeläutet.

 1920 verkauft die Erbengemeinschaft das Haus an den Schwager Eugen Gehr, dessen Sohn Willi 1917 geboren war. Eugens Frau Emma pflegte mit ihren Schwestern und deren Nach- kommen rege Kontakte bei Kaffee und Kuchen und so wollte es der Zufall, dass im Sept. 1966 der Chefredakteur Andreas der Schrenk-Zeitung  in dem wunderschönen Garten seine ersten Schritte zurückgelegt hat.

 2004: Das Haus in der (jetzt) Sieglindenstraße 20a wird bewohnt von Wolfram und Brigitte Gehr mit Martha Gehr, geb. Oesterle,  der Witwe von Albert Gehr.