Liebste Luise und Kinder         19.1.1917 (Fehler des Schreibers, es war schon 1918)

Heute habe ich Zeit u. denke immer an Dich mit den lieben Kindern. Wie lange wird es noch dauern bis wir wieder mal an ein geordnetes Familienleben denken können. Vielleicht geht es mal recht schnell, ist immer meine Hoffnung. Wie schön war es doch daheim , was haben wir schon für schöne Zeiten miteinander erlebt man darf nicht dran denken. Herrliche Erinnerungen gehen wie in einem Panorama einem im Verstandskasten vorbei.

Am 8. März wird es 2 Jahre dass ich von Euch weg bin und heute sind es 4 Monate dass ich an der Westfront stehe.

Es ist kein Recht mehr in der Welt, mit den Männern spielen einige Dickschädel jetzt Schindluder, ich bin neugierig noch wie lange und die Vaterlandspartei trägt das nötige dazu bei den Krieg mehr als schon zu viel zu verlängern. Diese Kadetten reden sich daheim in der warmen Stube leicht. Diese Herren zählen alle 8 Tage ihr Geld ob es sich nicht ums doppelte vermehrt hat und wir draußen müssen es büßen und müssen zusehen wie es alle Tage weniger wird, die ersparten Groschen im Frieden.

Liebe Luise Du könntest mir bitte wieder mal ein Hemd u. eine Unterhose schicken desgleichen bitte ich meine Gamaschen mitzuschicken. Kannst dieselben ja etwas glätten. Wenn ich im Februar doch im Urlaub komme brauche ich die schweren Stiefel nicht mit schleppen.

In den nächsten Tagen werde ich wieder eine Kiste, Du weißt schon die ich mal von Grafenwöhr mitbrachte an Dich schicken. Hast Du schon die Weihnachtskiste mit den leeren Sachen zurück bekommen und was hat diese für Fracht gekostet.

Von Hans habe ich heute eine Wurst erhalten desgleichen kam auch das Paket von Johanna an mit Inhalt von Plätzchen und einer Rindfleischwurst. Beider Inhalt war noch gut erhalten und wanderte bald vom Mund zum Magen.

Wie geht es denn den lieben Kindern.

Rudi wird hoffentlich gut lernen und schön schreiben, er hat mir schon recht lange nimmer geschrieben erfährt jedenfalls viel Schlitten und Schlittschuh und hat deshalb keine Zeit.

Heinz und Emil kann ich mir lebhaft vorstellen.

Liebe Luise ich hoffe auch dass Du wieder vollends gesund bist, es ist doch Zeit, dass das Luftbad wieder eröffnet ist, es verschafft gar manchen Linderung und Heilung. Ich freue mich sehr Dich in nicht mehr allzu langer Zeit wiederzusehen.

Mir geht es auch ganz gut, wir haben doch unsere schöne Nachtruhe und schonen deshalb viel an unserer Gesundheit.

Herzliche Grüße und viele Küsse Dir und den lieben Kindern sendet

Dein treuer Karl.

Viele Grüße an Gretchen, an Johanna, Anna, Theodor.